Seelenkraft
Mark verbrachte mit seiner 8-jährigen Tochter Miranda einen warmen, sonnigen Tag an einem ruhigen Strand.
Schon bald wanderte Miranda in die sanften, gleichmäßigen Wellen hinein, die an den Strand schwappten. Sie stand bis zur Taille im Wasser und schwankte einfach mit den Wellen vor und zurück. Zehn oder fünfzehn Minuten vergingen, und Mark hatte den Eindruck, dass ihre Augen geschlossen waren.
Weitere dreißig Minuten später schwankte sie immer noch an derselben Stelle in der sanften Brandung. Nach einer Stunde stellte Mark fest, dass er ebenfalls schwankte, während er sie vom Strand aus beobachtete. Es war, als sei sie in Trance.
Er wollte sich versichern, dass es ihr gut ging, fragte sich: "Ist das eine Art Anfall? Ist sie ordentlich eingecremt?", konnte sich aber beherrschen.
Es dauerte fast eineinhalb Stunden, bis sie aus dem Wasser kam - strahlend und friedlich. Wortlos setzte sie sich neben Mark.
Ein paar Minuten später fragte er sie vorsichtig, was sie da gemacht hätte.
"Ich war das Wasser", sagte sie leise.
"Du warst das Wasser?" wiederholte er.
"Ja, das war fantastisch. Ich war das Wasser. Ich liebe es und es liebt mich. Ich weiss nicht, wie ich es sonst erklären soll."
Sie saßen schweigend nebeneinander, bis Miranda ein paar Minuten später aufsprang und im Sand spielte.
"Ich war vollkommen überwältigt. So als sei ich Zeuge einer großen Gnade geworden", sagte Mark.
(Tobin Hart)