Achtsamkeit
In Afrika lebt ein Stamm, dessen Mitglieder den Geburtstag eines Kindes von dem Tag an zählen, an dem das Kind als Gedanke im Geist der Mutter aufgetaucht ist. An jenem Tag geht die Frau nach draußen; sie setzt sich unter einen Baum, lauscht in Stille und wartet, bis sie das Lied ihres Kindes hören kann. Wenn sie das Lied gehört hat, kehrt sie in ihr Dorf zurück und bringt es dem Mann bei, den sie als den Vater des Kindes ins Auge gefasst hat, so dass sie dieses Lied singen können, wenn sie sich lieben, und ihr Kind einladen können mitzumachen. Die werdende Mutter singt dann dieses Lied dem Kind in ihrem Leib vor, und sie bringt es auch den Hebammen bei, die es singen, wenn das Kind geboren wird. Und alle Dorfbewohner lernen das Lied des Kindes, damit sie es, wann immer es weint, oder sich verletzt, hochnehmen können, es in den Armen halten und das Lied singen können. Das Lied wird auch gesungen, wenn der junge Mann oder die junge Frau durch einen Übergangsritus hindurchgeht, wenn er oder sie heiratet, und dann zum letzten Mal, wenn er oder sie stirbt.
(Jack Kornfield)